bohem press News


 

 

 


Wir gratulieren unserem Autor Max Bolliger
zum Großen Preis der Volkacher Akademie!

Lieferbare Titel von Max Bolliger:



Wir gratulieren unserem spanischen Illustrator Javier Zabala
für den Premio Nacional 2005!



L'uboslav Palo erhält für unsere Bücher den Goldenen Apfel der Biennale der Illustration in Bratislava (BIB) 2005.


Lieferbare Titel von L'uboslav Palo:

neu





 




Auch im Jahre 2005 erhält einer unserer Illustratoren den begehrten Premio Andersen Preis: Gianni de Conno aus Milano.
Folgende Titel sind lieferbar:

Lucia Scuderi gewann den Premio Andersen-Preis 2004

Lucia Scuderi
Der Tag, an dem das Äffchen wütend war

Unsere Illustratorin Lucia Scuderi gewann mit dem Kinderbuch "Der Tag, an dem das Äffchen wütend war" den Premio Andersen, der Preis für das beste Kinderbuch 2004 von Italien.

 

 

Trotz Goldfolien auf Distanz zum Kitsch
bohem press: "Bildung kommt vom Bilderbuch"

Auch wenn dieser Satz, wie der Verlag selber augenzwinkernd zugibt, auf die etymologische Richtigkeit kaum Rücksicht nimmt, so verdeutlicht er einen wichtigen Anspruch des neuen und auch aller vergangenen bohem-Programme: statt leichter Kost will es qualitätvolle Bilderbücher bieten, statt bloßer Unterhaltung möchte es den Kindern eine erste Begegnung mit der Kunst ermöglichen.

Otakar Bozejovsky von Rawennoff gehört zu den wenigen Verlegern, die einem so hohen Anspruch auch Jahrzehnte nach der Verlagsgründung treu geblieben sind, mag die Marktsituation noch so schwierig sein. Den Umgang mit der Kunst schon als Kind gewohnt -sein Vater besaß eine bedeutende Kunstsammlung - gründete Bozejovsky von Rawennoff seinen Verlag 1973 zusammen mit dem Künstler Stepan Zavrel. Getreu der Überzeugung, dass Kinder, welche gute, künstlerisch hoch stehende Bilderbücher lesen, zu kunstbegeisterten Erwachsenen werden, sahen sie es von Anfang an als ihre Aufgabe, nur jene Bücher zu publizieren, die dem Anspruch "Kunst für Kinder" gerecht werden. Eine schwierige Aufgabe. Denn die Ansicht, dass Kinder nur klare, anspruchslose Bilder "lesen" können, ist weit verbreitet. Wenn Kinder nur einfache Bilder verstehen können, dann werden sie nur solche bekommen dürfen. Die bedauerliche Entfremdung zwischen dem Bilderbuch und der bildenden Kunst scheint in letzter Zeit weiter zugenommen zu haben. Gefragt sind Bilder, die keine Widersprüche provozieren und den Wunsch nach simplen Mustern befriedigen. Das Eingängige, Oberflächliche ist verkäuflich, zum - finanziellen! - Erfolg gelangt man, indem man den Weg des kleinsten Widerstandes geht.

"Der Zeitgeist macht alles schneller", sagt Bozejovsky von Rawennoff, "doch Kunst braucht Geduld." Geduld? Zwei Beispiele aus dem aktuellen Programm sollen verdeutlichen, was damit gemeint sein dürfte. So etwa "Der Weihnachtsnarr", geschrieben von Max Bolliger und illustriert von Gianni De Conno: Der kurze Text mit refrainartigen Wiederholungen erzählt ruhig und doch eindringlich die Geschichte des Narren, der zunächst Geschenke verteilt, um dann selbst reich beschenkt zu werden. Die Bilder scheinen diese Stille mitzutragen. ruhige Formen, großflächige Farben, Figuren gleichsam erstarrt ...Doch wer den Blick etwas länger über den Bildern verweilen lässt, entdeckt bald, dass hier eine eigentümliche Dynamik herrscht, ein spannendes Spiel zwischen Licht und Schatten, eckig und rund, und dass das vermeintliche Gleichmaß immer wieder durch Akzente durchbrochen wird, die sich zur Geschichte ähnlich verhalten wie die Basslinie zur Melodie. Diese Bilder sind meisterhaft gemalt und mit großer Sorgfalt komponiert. Doch sie sind zugleich auf eine besondere Weise irritierend, denn sie lassen den Betrachter mehr spüren als verstehen, sie werfen Fragen auf, verweigern dann die endgültige Antwort.

Dass eine solche Leistung auch bei lustigen Büchern möglich ist, beweist ,,1+1=2" des slowakischen Künstlers L'uboslav Pal'o: Auch hier haben wir es mit sorgfältig gestalteten Wiederholungen zu tun. Links die bunten Fenster, rechts die jeweiligen Gäste des Geburtstagskindes Gogo. Der Text bleibt weitgehend auf kurze Aufforderungen beschränkt, die Figuren zu zählen. Doch die Fenster, jedes anders in Form und Farbe, laden zu neuen Geschichten ein, wecken Erwartungen, lassen vermuten, wie lustig diese Geburtstagsparty noch werden kann. Es ist, als gehörte das Malen dieser Fenster zum Geburtstagsspiel dazu, als hätten Kinder sie gemalt, um nun damit zu spielen. Somit ist die Illustration weit mehr als eine bildliche Umsetzung des knappen Textes. Sie ist ein Teil des Spiels, zu welchem das Buch einlädt. Ein schöner Einfall und ein Beispiel dafür, dass erst das Zusammenspiel zwischen Text und Bild ein gutes Bilderbuch ausmacht, nicht jedes dieser Elemente für sich alleine.

Der Backlist-Titel "Die Reise nach Bethlehem" von Brian Wildsmith zeigt, dass es selbst dann möglich ist, auf Distanz zum Kitsch zu bleiben, wenn die Bilder Goldfolien enthalten, Engel nicht vornehm-zurückhaltend, sondern überschwänglich farbenfroh sind und ihre Darstellung sich an die sakrale Malerei anlehnt. Auch hier arbeitet der Künstler einerseits mit Wiederholungen, anderseits mit scheinbaren Widersprüchen. Während die Darstellung der Häuser und anderen menschlichen Besitzes bis zum Kindlich-Naiven stilisiert wird, wirken die Engel immer prächtiger und gleichsam entrückter, als möchten sie zeigen, dass ihre Botschaft alles Menschliche überragt und zugleich relativiert.

Wie ist es Otakar Bozejovsky von Rawennoff gelungen, dem eingangs erwähnten Grundsatz über drei Jahrzehnte treu zu bleiben?

"Bohem press hat sich nie an kurzlebigen Modeströmungen orientiert", sagt er. Denn wenn das Niveau sinke, gerate man in Konkurrenz mit anderen, größeren Verlagen, verliere das Profil und somit, längerfristig, die Unabhängigkeit. "Unsere Konkurrenz sind nicht Verlage, welche gute Bücher machen. Im Gegenteil: das sind unsere Mitstreiter. Nur sind solche leider selten geworden."

Ein Teil des bohem-Geheimnisses dürfte auch im besonderen Verhältnis zu den Künstlern liegen. Die Förderung junger, unbekannter Künstler gehört zu den wichtigsten Grundsätzen des Verlags. Oft lädt der Verleger seine Künstler nach Zürich oder nach Italien ein und lässt sie bei sich zu Hause wohnen und malen. Auf diese Weise kommen die Künstler zusammen und können auch voneinander lernen. Die Früchte dieses intensiven Austausches - davon ist nicht nur der bohem-Verleger fest überzeugt - sind schließlich in den Bildern deutlich zu sehen. Wie gesagt: bohem press hat sich viel vorgenommen. Aber darf jemand, der Bilderbücher für Kinder macht, mit weniger zufrieden sein?

Mladen Jandrlic

ESELSOHR 11/2003